Mit welchem Ohr hörst du die Botschaft

Kerstin Benedek • 22. Oktober 2025

Alte Liebe neu entdeckt: Warum das Kommunikationsquadrat wieder zu einem meiner Lieblingsmodelle wurde...

Zwei Personen sitzen auf einer Bank und schauen in die Sterne. Sprechblasen diskutieren die Lichtbrechung der Sterne.

Als ich selbst noch Psychologie studierte, war ich wirklich begeistert von den Büchern von Friedemann Schulz von Thun. (Kommunikation I-III waren die Standartwerke meiner bescheidenen Studi-Bibliothek)
Seine klaren Modelle, das Kommunikationsquadrat und das innere Team, haben mich damals schon fasziniert:  Die Idee, dass jede Nachricht anders interpretiert werden könnte, weil wir auf 4 unterschiedlichen „Ohren“ hören, hat mich eine zeit lang begleitet.

Ich erinnere mich, wie ich den Satz:  "Die Ampel ist grün!" häufig als Erklärung für die Entstehung eines Missverständnisses verwendet habe.


Irgendwann ist das Modell in den Hintergrund gerückt.

Im Laufe meiner Praxisjahre, zwischen Diagnostik, Krisengesprächen, Elternarbeit und therapeutischer Begleitung, ist das Modell still und leise in den Hintergrund gerückt. Ich habe es vielleicht intuitiv genutzt, aber nicht mehr aktiv erklärt und visualisiert.

Erst durch meine Tätigkeit als Universitätslektorin ist mir bewusst geworden, wie wertvoll diese „alten“ Kommunikationsmodelle nach wie vor sind. Wenn ich mit Studierenden über Gesprächsführung spreche, hole ich die alten Beispiele wieder hervor und merke ich: Das Kommunikationsquadrat ist alles andere als veraltet. Es ist zeitlos, nur die Beispiele brauchen ein sprachliches Update (zB: Rollenbilder).

Vier Ohren & vier Möglichkeiten, zuzuhören

Jede Botschaft kann auf vier Ebenen gehört werden:

  • Sachohr: Was wird gesagt?
  • Beziehungsohr: Wie steht der andere zu mir?
  • Selbstoffenbarungsohr: Was zeigt der andere über sich selbst?
  • Appellohr: Was möchte er oder sie, dass ich tue oder denke?


Vier Tafeln mit Sprechblasen: Sternenhimmel, spielendes Kind, speisendes Paar, Geschäftstreffen.

Im Beratungssetting hilft mir das Modell wieder, genauer hinzuhören:
Was löst eine Aussage bei mir aus und was höre ich vielleicht zwischen den Zeilen?
Welches Ohr scheint bei meinem Gegenüber besonders sensibel zu sein?
Und was geschieht, wenn ich eine Rückmeldung einmal
auf einer anderen Ebene gebe, als erwartet?


Vom Lehrmodell zum Praxisinstrument

Inzwischen nutze ich das Kommunikationsquadrat nicht nur in der Lehre, sondern auch wieder zur Selbstreflexion in Gesprächen, in Teamsupervisionen oder zur gemeinsamen Analyse von Kommunikationsmustern.


Einfache Übung: Zeichne ein Quadrat auf und frage dich:

„Was wurde im letzten Konfliktgespräch anfänglich gesagt  & was habe ich gehört?“

Diese einfache Visualisierung öffnet den Raum für Einsicht & Missverständnisse klären sich.


Warum alte Modelle bleiben dürfen

Ich glaube, dass wir im Alltag, in Fortbildungen und im Internet oft auf der Suche nach neuen Tools und Methoden sind, zumindest habe ich das im heroischen Selbstversuch bei mir gemerkt,  schließlich entwickelt sich das Feld rasend schnell.

Umso mehr begeistert mich nun die Erkenntnis, dass Modelle wie das Kommunikationsquadrat weiterhin ein Fundament bilden. Ein Modell, das über Jahrzehnte Bestand hat, weil es unsere Art zu kommunizieren und zu interpretieren auf den Punkt bringt.

 Manche Modelle altern nicht –> sie reifen :-)
Und sie warten nur darauf, von uns neu entdeckt zu werden.


🎧 Vertiefend: Im Programm
Own Your Future verwende ich "gereifte" Modelle der Transaktionsanalyse sowie neue Tools aus der Traumaforschung.


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