Digital Detox a la 1998
Was passiert, wenn wir wieder schauen statt scrollen?
Gestern hatte ich ein wunderschönes Gespräch mit meinem Sohn.
Es ging um meine Schulzeit, um das Internat, um das erste Handy mit 16 Jahren – SMS für 140 Zeichen, einen österreichischen Schilling pro Nachricht, zwölf Tasten und jede Taste mehrfach drücken, bis der richtige Buchstabe kommt.
Ich bin richtig ins Schwärmen gekommen.
Wir haben die Superstars in der Zeitung bewundert. nicht auf dem Display, sondern auf Papier. Wir kannten die Personen an der Haltestelle und haben die Personen in der Wohnumgebung gegrüßt. Die coolen Jungs im Park haben wir direkt angeschmachtet und nicht über deren Insta-Account.
Weil wir geschaut haben -> Nicht gescrollt
Weil wir anwesend waren -> Nicht nebenbei
Ich bin nicht mit dem Handy vor der Nase spazieren gegangen. Snake im Gehen spielen? Nein. Tat niemand. Man war einfach da. Man hat wahrgenommen. Menschen. Stimmungen. Begegnungen. Präsenz war nichts Besonderes, sondern normal.
Und da kam diese Idee (und weil in meinem letzten Coaching auch die Idee aufkam von Überarbeiten, zu viel im Kopf, wenig Erholung.... Bin ja auch nur ein Mensch im Jahr 2026)
Also die Idee
- Digital Detox -
für mich - zu den Konditionen meines Maturajahres 1998.

Warum mich das gerade jetzt beschäftigt
Es ist kein Geheimnis: Meine Aufmerksamkeit ist enger, fragmentierter und kürzer geworden.
Wir werden ständig unterbrochen. Dauerbeschallt. Abgelenkt.
Psychologisch gesehen belasten solche Unterbrechungen unser Aufmerksamkeits-System erheblich. Jedes Signal, jeder Ton, jeder Push-Hinweis setzt kleine Stressimpulse frei, die unser Nervensystem aktiv halten – auch wenn wir „nur kurz“ schauen wollen.
Die Folge: wir sind seltener wirklich im Hier und Jetzt. Unsere Wahrnehmung wandert, bevor wir es merken.
Das wirkt sich nicht nur auf Produktivität oder Fokus aus, sondern auch auf unser psychisches Erleben:
- Reizüberflutung: Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, dauerhaft Multitasking-Stimuli zu verarbeiten. Dauerhafte Ablenkung führt zu mentaler Erschöpfung und reduziert die Fähigkeit, tief zu denken.
- Aufmerksamkeitsverlust: Wir springen schneller zwischen Reizen, merken uns weniger und nehmen weniger wahr.
- Soziale Angst und Vergleich: Menschen scrollen soziale Welten, in denen sie ständig beurteilen, bewertet werden, performen müssen. Das steigert soziale Unsicherheit und Angst, weil der Maßstab nicht mehr direkt erfahrbar ist, sondern durch Likes, Follower und inszenierte Realität.
Studien zeigen, dass der erhöhte Konsum digitaler Medien mit einer steigenden Anzahl sozialer Ängste einhergeht, besonders bei jungen Menschen. Häufig geht es dabei um Gefühle von Ungenügen, Bewertungsstress und einer permanenten Selbstüberwachung.
Es entsteht ein „Zwei-Modus“-Lebensgefühl: Wir sind gleichzeitig Teil der Welt – und doch von ihr getrennt, weil wir sie nicht wahrnehmen, sondern beobachten.
Ich mach dieses Jahr in der Fastenzeit
Digital Detox – aber anders
Hierkommt meine Idee:
Weniger scrollen, ein bisschen Pause und ein echtes Experiment.
Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit & ich starte eine Version von Digital Detox, die tagsüber auf das Handy reduziert, wie es 1998 war:
✔️ SMS – ja
✔️ Telefonieren – ja
✖️ Dauer-Scrollen
✖️ Nebenbei-Blicke
✖️ „Ich schau nur kurz“
E-Mails ja – aber nur am Computer.
Das erfordert mehr Organisation vorab: Kalenderinfos merken.
Bus- und Zugzeiten selbst wissen.
Wissen, wo man entlanggeht – ohne Google Maps.
Achtsamkeit statt Autopilot.
Je länger ich darüber schreibe, desto cooler finde ich die Idee. Und gleichzeitig merke ich: Ein bisschen Angst ist auch dabei.

Was ich im Selbstversuch erforschen möchte und wovon ich erzählen werde:
🔹 Wie verändert sich meine Wahrnehmung ohne ständige Reize?
🔹 Wie reagiert mein Nervensystem, wenn ich nicht nebenbei abgelenkt bin?
🔹 Wie wirkt sich das auf meine Beziehung zu Menschen aus?
🔹 Und wie geht es mir mit sozialen Herausforderungen, Vergleichen und Leistungsdruck, wenn ich mich nicht durch digitale Welten bewege, sondern durch die echte Welt gehe?
Ich werde meine Erfahrungen dokumentieren, analog und mit meiner alten Lamy Füllfeder.
Diese Studie finde ich interessant, veröffentlicht in JAMA Network Open (Calvert et al., 2025), Untersucht wurden junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren, die ihre Social-Media-Nutzung für eine Woche deutlich reduzierten. Die Nutzung wurde dabei objektiv über Bildschirmzeitdaten erfasst. Das Ergebnis: Bereits nach einer Woche zeigten sich signifikante Verbesserungen. Angstsymptome reduzierten sich im Durchschnitt um etwa 16 Prozent, depressive Symptome um rund 25 Prozent, auch Schlafprobleme gingen zurück. Die Studie beweist nicht, dass Social Media per se Angst verursacht. Aber sie zeigt, dass eine bewusste Reduktion digitaler Reize das psychische Wohlbefinden messbar entlasten kann.
Und es macht mich neugierig auf mein eigenes Experiment
-> wird es auch in meinem Kopf wieder etwas ruhiger werden?
Wie bleiben wir beide im Kontakt?
WhatsApp gab es 1998 noch nicht. Brieffreundschaft wäre eine schöne Idee, aber vermutlich nicht sehr alltagstauglich.
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