Was wir im Studium lernen und was uns dort nicht beigebracht wurde /wird
Gedanken aus einem Mentoring-Abend an der Universität Graz

Vor kurzem durfte ich an einem besonderen Abend an der Universität Graz teilnehmen.
Im Rahmen des Mentoring-Programms wurden wir zunächst durch die
Schatzkammer der Universitätsbibliothek geführt – die Sondersammlung mit ihren jahrhundertealten Büchern.
Dort durfte ich ein Werk in den Händen halten, das heute auf rund eine Million Euro geschätzt wird.
Ein Buch, das mehrere Jahrhunderte überdauert hat.
Während ich davorstand, dachte ich kurz darüber nach, wie viel Wissen über Generationen gesammelt, bewahrt und weitergegeben wurde. Universitäten sind genau dafür gebaut: Wissen zu sammeln, zu prüfen und an die nächste Generation weiterzugeben.

Und dann begann der zweite Teil des Abends.
Das Speed Mentoring.
Ich kam mit Menschen ins Gespräch, die am Anfang ihres Weges stehen: Bachelor-Studierende, Masterstudierende, PhD-Kandidat:innen, & Menschen kurz vor der Selbstständigkeit.
Menschen, die viel gelernt haben.
Und trotzdem tauchte in fast jedem Gespräch ein ähnliches Thema auf.
Nicht die Methoden, nicht der Karrierewege, auch nicht das fachliches Wissen.
Sondern etwas anderes.
Selbstwert
Viele der jungen Menschen, mit denen ich gesprochen habe, haben anspruchsvolle Studienänge absolvier und zahllose Prüfungen bestanden, wissenschaftlich gearbeitet, komplexe Inhalte verstanden.
Und trotzdem höre ich in vielen Gesprächen die selbe Unsicherheit:
- Bin ich wirklich gut genug für das, was jetzt kommt?
- Was kann ich wirklich?
- Reicht das, was ich gelernt habe?
Was wir aber erstaunlicherweise (im Psychologiestudium zumindest) selten lernen, ist folgendes:
Wie wir innerlich stabil bleiben, wenn wir mit Menschen arbeiten. Wie wir ein Selbstvertrauen aufbauen, mit dem was wir lernen durften.
Gerade in psychosozialen, beratenden oder therapeutischen Berufen ist diese Fähigkeit zentral. Wir begegnen anderen Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Wir hören Geschichten von Krisen, Unsicherheiten, Entscheidungen.
Und gleichzeitig sollen wir selbst klar, präsent und innerlich stabil bleiben.
Das ist kein Lärcherlsch*ß, keine Kleinigkeit, es ist eine zentrale berufliche Kompetenz.
Diese innere Positionierung entsteht nicht durch dein Fachwissen. Sie wächst durch Erfahrung, durch Reflexion, durch Begegnungen und natürlich auch durch die Möglichkeit, über die eigene Rolle nachzudenken, denn sich selbst als Person einbringen zu müssen ist eine andere Liga.
Der Abend an der Universität Graz hat mich daran erinnert, wie viel Wissen wir in unserer Gesellschaft gesammelt haben und wie wertvoll dieses Wissen in diesen wunderschönen Büchern ist.
(Und ihr wisst inzwischen, wie sehr ich Bücher und Journaling liebe)
Aber er hat mich auch an etwas anderes erinnert:
Dass Wissen allein nicht reicht, und man lernen darf, innerlich sicher zu bleiben, wenn man mit Menschen arbeitet. Ein Mentoringprogramm ist dafür extrem hilfreich.
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